Wie Franzl entscheidet
Was ist eine gespeicherte Kilowattstunde wert? Die Frage klingt harmlos — an ihr scheitern die meisten selbstgebauten Regler.
Eine Nacht als Beispiel
Ein Haushalt mit PV, Hausbatterie und Börsenstrom-Tarif. Der Fahrer hat eine Preisgrenze gesetzt: Wenn der Strom unter 30 Cent fällt, darf das Auto zusätzlich laden. Nachts um zwei öffnet sich das Fenster, das Auto zieht knapp 12 kWh — aber nur 4 davon kommen aus dem Netz. Die anderen 7,7 kWh liefert die Hausbatterie.
Das sieht nach einem Fehler aus. Der Sinn der Preisgrenze ist doch, billigen Netzstrom mitzunehmen — nicht, den eigenen Speicher zu leeren, dessen Inhalt man später teuer nachkaufen muss. Genau so haben wir es beim ersten Hinsehen auch bewertet.
Dann kam der nächste Vormittag: Um 11 Uhr war die Batterie aus Sonne wieder voll, und bis zum Abend exportierte das Haus 44 kWh, die es nicht mehr unterbringen konnte. Die 7,7 kWh aus der Batterie haben real nur die entgangene Einspeisevergütung gekostet — rund 8 Cent pro kWh statt 30. Die Batterie auszuleeren war die günstigste Entscheidung der ganzen Nacht.
Und hier wird es interessant: Im Winter wäre exakt dieselbe Entscheidung falsch. Wenn morgen keine Sonne kommt, wird jede entnommene kWh am teuren Morgen nachgekauft — dann muss der Speicher durch das Billigfenster hindurch festgehalten und das Auto aus dem Netz geladen werden.
Der Schattenpreis
Eine gespeicherte Kilowattstunde hat keinen festen Wert. Ihr Wert ist der der besten Alternative — und der ändert sich stündlich:
- Wird die Batterie morgen ohnehin voll (und der Rest exportiert), ist die gespeicherte kWh nur die Einspeisevergütung wert: ein paar Cent. Sie darf großzügig aushelfen.
- Kommt kein Nachschub, ist sie den vermiedenen Netzkauf der nächsten teuren Stunden wert: über 30 Cent, plus Speicherverluste. Sie wird festgehalten.
Eine Faustregel („Batterie nie fürs Auto“ oder „Batterie immer zuerst“) trifft in einem der beiden Fälle immer die falsche Entscheidung. Franzl beantwortet die Frage deshalb nicht mit einer Regel, sondern mit einem Optimierungsmodell über die nächsten 24 Stunden: Strompreise, Solar-Prognose, Speicherstand, Speicherverluste und deine Wünsche („Auto bis 6:00 voll“) stecken im selben Rechenwerk, und für jede Stunde fällt heraus, ob der Speicher abgeben darf oder gehalten wird. In der Simulation über zwei Wochen gewinnt diese Rechnung in beiden Jahreszeiten gegen jede der beiden Faustregeln — bei identischer geladener Energie.
Dasselbe Denken steckt in der Wärme: Ein Warmwasserspeicher ist auch ein Speicher, nur in Grad statt Prozent. Franzl lernt seine Verlustrate aus den eigenen Messdaten und kann dann ausrechnen, wie viel Vorheizen sich vor einem teuren Abend lohnt — statt es zu raten. In der 14-Tage-Simulation mit dynamischem Tarif: 15,28 € statt 23,43 € für praktisch dieselben 100 kWh Wärme. (Simulation mit dem echten Produktions-Code, kein Kundenversprechen — für wen sich Börsenstrom überhaupt lohnt, steht hier.)
Zwei Uhren
Der Plan allein reicht nicht, denn das Wetter hält sich nicht an Prognosen. Deshalb arbeitet Franzl mit zwei Uhren:
- Der Planer rechnet alle 15 Minuten den 24-Stunden-Plan neu — mit jedem neuen Preis, jeder neuen Prognose, jedem Wunsch.
- Der Live-Regler schaut im Minutentakt auf die echten Messwerte und setzt den Plan gegen die Wirklichkeit durch: Zieht eine Wolke durch, regelt er die Wallbox herunter, statt still Netzstrom zu ziehen. Der Messwert schlägt den Plan — immer.
Geräte sagen nicht immer die Wahrheit
Die unangenehme Praxiserfahrung hinter vielen Franzl-Regeln: Statuswörter lügen. Eine Wallbox meldet „lädt“, während in Wahrheit 83 Watt Standby-Strom des Bordladers fließen. Ein Zähler fällt aus und liefert stundenlang nichts. Ein Temperaturfühler springt nur in halben Grad-Schritten.
Franzl glaubt deshalb grundsätzlich der Messung, nicht der Behauptung:
- „Lädt“ wird nur erzählt, wenn messbar Strom fließt — und „bereit“ nur, wenn keiner fließt.
- Unbekannt heißt unbekannt, nie null. Ein ausgefallener Zähler wird nicht als „0 Watt“ verbucht, sondern als Lücke — sonst würde aus einem Sensorausfall eine erfundene 100-%-Autarkie.
- Der Rückblick in der App zeigt nur als erledigt, was nachweislich passiert ist. Ein Befehl, den ein Gerät nur quittiert, aber nie ausgeführt hat, wird ehrlich als unbestätigt gezeigt.
Ruhe ist ein Feature
Ein Regler, der auf jede Wolke sofort reagiert, schaltet an einem wechselhaften Vormittag das Wallbox-Schütz alle paar Minuten — Verschleiß am Gerät, und das Auto quittiert jeden Stopp mit einer Push-Nachricht seiner Hersteller-App. Franzl regelt deshalb bewusst asymmetrisch: langsam hoch, sofort runter. Kurze Einbrüche werden überbrückt, Mindest-Pausen eingehalten, und vor einem geplanten Stopp wird erst das Auto sauber beendet und dann die Wallbox — so bleibt das Handy still.
Und eine Regel, die banal klingt und es nicht ist: Kein Befehl für Dinge, die von selbst passieren. Das Energiemanagement des Wechselrichters kann vieles allein — Franzl kommandiert nur, wo sich dadurch real etwas ändert. Weniger Funk, weniger Flash-Verschleiß, weniger Überraschungen.
Bewiesen, nicht behauptet
Jede dieser Entscheidungsregeln wird auf drei Ebenen geprüft, bevor sie zu dir kommt: Regressionstests für jeden Einzelfall, eine geschlossene Simulation, die den echten Produktions-Code über simulierte Wochen gegen ein physikalisches Hausmodell fahren lässt — sie hat schon Fehler gefunden, die tausende Einzeltests nicht finden konnten —, und Feldtests auf unseren eigenen Anlagen, mit echtem Geld an der Strombörse. Die Nacht vom Anfang dieses Artikels war so ein Test.
Das ist der ehrliche Grund, warum wir diesen Artikel schreiben: Nicht weil die Mathematik geheim wäre. Sondern weil zwischen „funktioniert im Diagramm“ und „funktioniert an deiner Anlage“ hunderte kleine Wahrheiten liegen — lügende Statuswörter, springende Fühler, wandernde IP-Adressen, Wolkenflanken —, die man nur im Feld lernt. Man baut das nicht an einem Wochenende im eigenen Smart Home nach. Musst du auch nicht: So funktioniert Franzl bei dir.
Neugierig, was Franzl bei dir herausholt? Der Geräte-Check sagt dir in 30 Sekunden, ob dein Setup passt.
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