Dynamische Stromtarife in Österreich & Deutschland: die nüchterne Rechnung
Börsenstrom kann viel sparen oder gar nichts. Woran es wirklich hängt, nüchtern durchgerechnet.
Wie dynamische Tarife funktionieren
Bei einem dynamischen Tarif (in AT und DE z. B. aWATTar, daneben weitere Anbieter) zahlst du pro Stunde den Börsenpreis (EPEX Spot Day-Ahead) plus Aufschlag, Netzentgelte, Abgaben und Steuern. Die Börsenpreise für morgen stehen heute ab ca. 14 Uhr fest: Man kann also planen.
Typisches Muster: teuer morgens (7–9 Uhr) und abends (18–21 Uhr), billig nachts und zunehmend auch mittags, wenn viel Solarstrom im Netz ist. An sonnigen Wochenenden fallen die Börsenpreise mittags immer öfter gegen null oder darunter.
Die entscheidende Einsicht: Nur der Arbeitspreis schwankt
Netzentgelte, Abgaben und Steuern bleiben fix: Sie machen je nach Region einen erheblichen Teil des Endpreises aus. Wenn der Börsenpreis um 10 ct schwankt, schwankt dein Endpreis um genau diese 10 ct, nicht um mehr. Die Ersparnis entsteht also nur aus den Kilowattstunden, die du tatsächlich verschiebst, mal der Preisdifferenz der Stunden.
Eine Überschlagsrechnung: Verschiebst du 2.000 kWh im Jahr (E-Auto plus Warmwasser) im Schnitt aus 30-ct-Stunden in 18-ct-Stunden, sparst du ~240 €/Jahr. Verschiebst du nichts, sparst du nichts, und im Winter-Hochpreisfall kann ein starrer Verbrauch sogar teurer kommen als ein Fixtarif.
Für wen es sich rechnet und für wen nicht
Gute Kandidaten: E-Auto-Fahrer (die größte verschiebbare Last im Haus), Wärmepumpen mit Puffer, Warmwasserspeicher, Hausbatterien mit Netzlade-Fähigkeit. Kurz: Wer flexible kWh hat.
Schlechte Kandidaten: Haushalte ohne verschiebbare Lasten. Kochen, Licht und Fernseher folgen dem Leben, nicht der Börse. Wer nur 2.500 kWh Grundverbrauch hat und nichts verschieben kann, hat vom dynamischen Tarif vor allem Preisrisiko.
Die unbequeme Wahrheit über Handarbeit: Manuell auf Preise reagieren („heute Nacht ist es billig, ich stecke das Auto an“) funktioniert zwei Wochen lang, dann siegt der Alltag. Der Tarif entfaltet seinen Wert erst mit Automatisierung, egal ob selbst gebaut oder fertig.
Worauf beim Anbieter achten
- Stundenpreise mit Day-Ahead-Veröffentlichung (Standard bei aWATTar & Co.)
- Smart Meter ist Voraussetzung: in Österreich weitgehend ausgerollt, in Deutschland je nach Messstellenbetreiber noch nicht überall selbstverständlich
- Ein- und Ausstieg flexibel? Monatlich kündbar ist die faire Norm.
- Für PV-Besitzer: Wie wird die Einspeisung vergütet, fix oder ebenfalls börsenbasiert? Das ändert die Rechnung fürs Überschussladen.
Franzl übernimmt genau dieses Verschieben, automatisch, jede Nacht neu.
Dynamische Tarife mit Franzl